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Installationview Lady Musgrave Reef, Detail, 2011, HH Hafencity
 
    

Lady Musgrave Reef, Hafencity Hamburg 2011

Eine Art Forschung, bei der es keineswegs forsch zum Ziel heißt - die Wissenschaftstheorie ist derzeit zu eng, aber künstlerische Freiheit läßt Sprünge zu, hinter die Wirklichkeit der Phänomene.

In ihrer Arbeit spiegelt Petra Maitz Gemeinschaften der Natur und des Menschen als ein Bild des Entstehens infolge der Aktion vieler.

Nach dem Studium der Korallenriffe und verwandter ökosysteme animierte Petra Frauen und Männer per Inserat, zum gemeinsamen Häkeln von Korallen (gegen Bezahlung), in freier Interpretation.

Mit dieser besonderen Methode der Wechselbeziehung macht Petra Maitz dieses Projekt zum Kunstprojekt, organisiert einen Akt kollektiven Schaffens, die Methode des Korallenriffs selbst sich für dessen Darstellung dabei zu eigen machend.

Das ist ihr künstlerisches Prinzp, das Publikum schon in die Herstellung ihrer Kunst einzubinden, das Begreifen an der Quelle organisierend, und zugleich der möglichen Enge der immer flüchtiger werdenden Kunst zu begegnen. Sie also vom Konzept her auf beiden Seiten schon auf eine breitere Basis zu stellen.

Das ist allein deshalb schon sinnvoll, weil die Bedeutung von Kunstwerken sich mit der Zeit und mit dem Verstehen und Verwenden verschiebt.

Ist es doch schon lange ein Drama der Kunst, daß sie vom Publikum erst nach einer Reifezeit begriffen wird, erst nach einem längeren Weg durch Gremien der Vermittlung breiter und oftmals dann längst schon verdorben ankommt.

Das Resultat verweist nicht als Abbild auf ihren jeweiligen Gegenstand, sondern es bringt uns auf diese Weise den gesamten Fragenkomplex der Evolution, der ökologie, der ästhetik und Wahrnehmung nahe. Eine künstlerische Wissenschafts-Methode, sich vom untersuchten Gegenstand treiben zu lassen, die Beiträge vieler Personen zu Neuem und Mehr verbindend.

"Das Lady Musgrave Reef-Projekt beschäftigt sich mit dem Vergleich von natürlichen ökosystemen (Korallenriff) und der menschlichen Arbeit als integratives, soziales System (in dem Arbeit geschaffen werden muss) ... neue Arten entstehen im Riff, wenn eine Art nicht mehr imstande ist eine Aufgabe auszuführen.

Individuum/Staat/Familie war der Ursprung meiner Gedanken. Inwiefern sind Symbiosegesellschaften zweckdienlich und für wen? Das führt dann im schlechten Sinn zu der Frage der Traumatisierungen innerhalb der Gesellschaften, Natur, Kultur und Familienbünde (Menschen)... also wie intelligent sind wir eigentlich? Der Größenwahnsinn der kleinen Menschen ärgert mich so. Also machte ich mich an die Arbeit ... im Kleinen, Kleinsten etwas zu suchen, was einfach mir begegnet ... also auch der Zufall, ... die Spontanmutation ... compositional evolution ... "

2007, Petra Maitz im Dialog mit Walter Grond

Es ist eine philosophische Kategorie: das Universelle hat keine ontologische Seinsform, es zeigt sich als Geistiges, und ist erkennbar nur im Einzelnen.

Die einfache Wahrheit ist: es gibt die Vielfalt des Seins. Weiterhin, auch wenn der Mensch sich reduzierend, zerstörend betätigt.

DM

Lady Musgrave Reef

A kind of research that does not race towards its goal - the theory of science is too narrow, but artistic freedom allows leaps, behind the reality of phenomena.

Petra Maitz reflects communities of nature and human beings as an image of origination as a result of the action of many, places adverts encouraging women and men to crochet corals in a free interpretation.

With the aid of this method she turns the project into an art project, organises collective work, appropriating the method of the coral reef itself in order to portray it.

By involving the audience in the creation of her art, she organises understanding at its source, at the same time countering the potential narrowness of increasingly ephemeral art, and thus placing it on a broad basis on both sides in terms of the concept.

That alone makes sense because the meaning of art works shifts over time, as we come to understand and use them.

After all, it has long been a drama of art that it is only understood by the audience after a time of maturing, only arriving, now broader, often long spoilt, after a long journey through educational committees.

The result is not a copy that refers to its particular object, but rather opens our minds to the whole array of questions of evolution, ecology, aesthetics and perception. An artistic method of science by which we allow ourselves to be driven by the object under scrutiny, combining the contributions of many individuals into something new and more.

"The Lady Musgrave Reef project deals with the comparison of natural ecosystems. The individual/colony/family was the origin of my thoughts. To what extent are symbiotic communities expedient, and for whom? In the negative sense, this leads to the question of traumatisations within communities, nature, culture and family ties (human beings) ... that is to say, how intelligent are we really? The megalomania of the little people is so annoying. So I went to work ... to search for something in small, minute things, something that I just happen upon ... i.e. by coincidence too, ... spontaneous mutation ... compositional evolution ..."

2007, Petra Maitz in a discussion with Walter Grond

The universal has no ontological form of being, it manifests itself as intellectual achievements, and can only be discerned in the particular.

The simple truth is that there is a plurality of being. It will continue to exist, even if mankind acts in a reductive, destructive manner.

DM

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Detail of Lady Musgrave Reef, HH Hafencity 2011
 
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installationview HH Hafencity 2011
 
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LMR, Infopavillion der Hafencity HH 2011