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Tätig/Sein, 2004
installationview, NGBK. Berlin
glasswork, filmstills, 20 x 30 cm

 

Tätig|sein
(Arbeitstitel)
NGBK, Berlin 2004

|| tštig sein >>

Ausstellungs- und Buchprojekt 1. Mai - 13. Juni 2004
Eröffnung 30. April

„Ich weiß nie, arbeite ich gerade oder nicht. Und was in mir arbeitet, dass kann ich meistens nur erahnen“, lässt René Pollesch einen der Protagonisten auf der Bühne sagen. Ein Szenario, das eine heute vorstellbare Situation beschreibt, fernab der Trennung zwischen Arbeit und Muße, zwischen Wohn- und Arbeitsort, wie sie für die Industriegesellschaften charakteristisch war.

Das Projekt setzt sich mit Veränderungen unserer Arbeits- und damit auch Lebenswelt im Zuge einer forcierten Kapitalisierung auseinander, die Anfang der 1990er Jahre begann. Was immer wir tun, wir tun es unter dem Aspekt seiner Verwertung. Galt dieser Satz einst für das wirtschaftliche Handeln, werden nun mehr und mehr Bereiche von der Logik des Marktes erfasst, die in der klassischen Ökonomie als >außerökonomisch< beschrieben wurden.
Insofern dies auch die Kunst betrifft, verwundert es nicht, dass sich eine kritische Kunstpraxis dieses Themas im letzten Jahrzehnt verstärkt angenommen hat, insbesondere da der Kulturproduzent, bei dem Leben und Arbeit in gewissem Sinn in|eins fällt, als Leitbild beschworen wird.
In Anbetracht der technologisch bedingten Veränderungen der Arbeitswelt ist der flexible, mobile, selbstorganisierte, hoch motivierte Produzent die zentrale Forderung selbsternannter Visionäre. Arbeit dient nicht mehr dem Broterwerb, sondern wird als Selbstzweck unter Ausgrenzung großer Teile der Gesellschaft propagiert. Hat Kulturarbeit das Modell für die Ausbeutung immaterieller Tätigkeit geliefert oder besitzt sie, obgleich sich die Ökonomie Segmente der (Gegen)Kultur aneignet, ein emanzipatorisches Potential?

In Form einer Ausstellung und eines Buches wollen wir diesem Prozess nachgehen, der sich vielleicht als Ökonomisierung der Kultur und Kulturalisierung der Ökonomie skizzieren lässt und in dem gleichzeitig alles und nichts mehr Arbeit ist. Der Akzent liegt auf künstlerischen Positionen, die mittels verschiedener Strategien (u.a. Verfremdung, Aneignung) die Metamorphose der Arbeit auf verschiedenen Ebenen reflektieren, so beispielsweise: Wie wirkt sie sich auf Körper und Psyche aus? Wie werden Arbeits- und Lebensräume neu definiert und strukturiert? Welche Macht-hierarchien werden durch sie (re-)produziert? Wie erscheint das Arbeitsmodell der Moderne im Rückblick?

AG-Mitglieder: Franziska Lesák, Petra Reichensperger, Manuela Schöpp, Annette Wellhausen, Kalli Wellhausen

Künstlerliste:

Rosemarie Trockel
Michaela Schweiger
Peter Pilller
Petra Maitz
Maria Thereza Alves
Heike Bollig
CaoFei/Ou Ning
Asta Gröting
Jeanne van Heeswijk
Phill Niblock
Gunter Reski
Cornelia Schmidt-Bleek
Allan Sekula
Inga Svala Thorsdottir
Moira Zoitl

Ausstellungskatalog NGBK, Berlin 2004